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Straße überflutet, PKW im Wasser | Hochwasser in Harderode
 
Datum: 12.09.2010 | 17:26
Einsatzart:Hilfeleistung / Andere
Einsatzort:Ortsteil Harderode
Kräfte:ca 1/53
Ortswehr(en):FF Bessingen FF Bisperode FF Harderode
 
 

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Dewezet (13.09.2010):
Unwetter-Großeinsatz: HARDERODE meldet "Land unter!"

Unwetter-Großeinsatz nach Wolkenbruch – in Harderode liefen am späten Sonntagnachmittag braune Fluten vom Ith ins Dorf, sie rissen Schlamm, Stroh und Geröll mit sich. Bis zu 40 Zentimeter hoch stand die Brühe auf der Harderoder Straße (L 588). Keller und Garagen liefen voll. „Ein Backsteinhaus in der Ortsmitte hat es voll erwischt“, sagt ein Feuerwehrmann, der in der Nähe des Mühlenbrinks durch ein Gemisch aus Stroh, Wasser und Lehm watet. „Da ist ein halbes Rapsfeld in eine Küche gelaufen.“ Auch in anderen Teilen des Landkreises wurden gestern Nachmittag Straßen und Häuser überflutet, mussten Feuerwehrleute zu Unwettereinsätzen ausrücken. Rund um Börry sei es wohl ebenfalls sehr schlimm gewesen, sagte am Abend Leitstellen-Disponent Axel Langholz. In der Regionalleitstelle „Weserbergland“ in Hameln glühten stundenlang die Telefondrähte, wurden zahlreiche Notrufe aus den Landkreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden angenommen. Um die Einsätze zügig abarbeiten zu können, sei das Leitstellenpersonal mehr als verdoppelt worden, hieß es. Bei Redaktionsschluss hatten die Experten noch keinen Überblick über die Anzahl der Einsätze. „In beiden Landkreisen sind 22 Feuerwehren im Einsatz gewesen“, sagt Langholz.
Straßen mussten nach Angaben der Polizei stundenlang gesperrt werden – so die L 424 zwischen Börry und Heyen, die L 588 in Harderode und die K 18 bei Esperde.
In Harderode zögen sich die Aufräumungsarbeiten noch bis nach Mitternacht hin, hieß es um 22.20 Uhr. Der Verpflegungszug der Feuerwehrtechnischen Zentrale Kirchohsen musste die erschöpften Helfer versorgen.

Dewezet (14.09.2010)
„Wie bei einer Lawine, die im Gebirge abgeht“


„Das gab es in über 80 Jahren im Dorf nie! Das hat mein Mann schon bei den beiden ersten Hochwassern 2007 und 2008 immer gesagt. Jetzt hat es uns innerhalb von vier Jahren zum drittenmal erwischt – und schlimmer, weil’s von der anderen Seite kam. Außerdem weniger in Form von Wasser als eben Schlamm!“ Es war mehr Schlammlawine als Hochwasserkatastrophe, was sich am Wochenende in nur 20 Minuten durch den Ort ergossen hatte. Gerda (83) und Heinrich (82) Rehberg hatten am Sonntagnachmittag gegen 17 Uhr im Wohnzimmer ihres Hauses an der tiefgelegenen Kurve in der Harderoder Straße die Beine vor dem Fernseher hochgelegt. „Plötzlich war das Bild weg“, sagt die 82-Jährige, Blitz und Donner habe es gegeben, durch das Fenster sah man den Regen wie aus Kübeln runterkommen. Und da drangen auch schon Wasser und Schlamm durch die Wohnungstür ins Haus.Die braune Suppe sei über die Stufe vor der Haustür bis auf etwa 40 Zentimeter Höhe im Flur gestiegen. „Nur weil uns so viele Nachbarn sofort und bis in die Nacht geholfen haben, ist heute wieder alles sauber! Allein wären wir machtlos gewesen!“ Mit gravierenden Folgeschäden auch in den mit Schlamm gefluteten Schauern auf dem Hof rechne sie aber nicht. Ingrid Vahlbruch hatte den sonnigen Samstag zuvor noch mit ihrer Familie im Herbstblütenmeer um das kleine Gartenhaus hinter dem Hof an der Hauptdurchgangsstraße genossen. Am Tag nach dem Schlammeinbruch türmen sich dort Schlammberge statt Blüten auf dem verdreckten Hof. „Irgendwann“, so Ingrid Vahlbruch, „mache ich das hier nicht mehr mit!“ Sie macht die Windräder für die veränderten Wetterfronten, die das Hochwasser bringen, verantwortlich. „Da kommen die Gewitter einfach nicht mehr vorbei!“ Manfred Kiene, der seinen Hof schräg gegenüber hat, sieht andere Hauptgründe: „Die Gräben an den Feldern um das Dorf sind alle dicht. Da kommen Wasser und Schlamm bei so einem Starkregenguss wie durch eine geöffnete Schleuse hier heruntergestürzt. Vor allem um diese Zeit, wenn die Felder abgeerntet, umgepflügt und frisch eingesät sind. Da kann man nichts machen.“

Er wischt sich mit dem Ärmel das Wasser aus dem Gesicht, mit der anderen Hand legt er den Kärcher zur Seite. Das Schlimmste sei geschafft, meint er. Garage und Gehweg mehr oder weniger schlammfrei. Den Rest werde am Nachmittag die Feuerwehr erledigen, die in der Nacht zuvor irgendwann kein Wasser mehr hatte und die Arbeit kurz vor Mitternacht einstellen musste. Jetzt hat sein Hochdruckreiniger am Vormittag nach stundenlangem Betrieb irgendwann den Dienst versagt. Während zwei Bedienstete der Firma „Engel Kanalarbeiten“ aus Lügde die Schmutzwasserrohre an der Hauptstraße spülen und die verschlammten Gullideckel reinigen, inspiziert Feuerwehrgerätewart Sven Leweke mit frisch aufgetanktem Feuerwehrfahrzeug den nahezu leergepumpten Feuerlöschteich und die Felder am Ithhang, von denen die Schlammmassen heruntergestürzt kamen. Er habe es von seinem Haus am Berg gegenüber beobachten können, sagt er. „So muss es aussehen, wenn im Gebirge eine Lawine abgeht“, sagt er.

Bilder vom Hochwassereinsatz finden Sie unter Bilder der Dewezet

RTL-Regional Video (ab ca. 1:26 min)

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