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Absturz eines Segelflugzeugs
 
Datum: 15.10.2008 | 11:48
Einsatzart:Hilfeleistung / Andere
Einsatzort:Bisperode - Ith
Kräfte:9/32 (Feuerwehr)
Ortswehr(en):FF Bisperode
 
 

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Daniel Giffhorn:
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Zu einem außergewöhnlichen Einsatz wurden heute am frühen Nachmittag die Feuerwehren Bisperode, Salzhemmendorf und die Höhenrettung der Feuerwehr Oldendorf alarmiert. Eine junge Flugschülerin des Luftsportvereins Hameln aus Bisperode ist aus noch ungeklärter Ursache mit ihrem Segelflugzeug in die Baumkronen des Ith´s gestürzt.
Die Höhenrettung der Feuerwehr Oldendorf sicherte mit Hilfe der Freiwilligen die Flugschülerin mit zwei Seilen an jeweils einem Baum, um die Pilotin möglichst schonend aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Der Rettungshubschrauber SAR-31 aus Diepholz wurde nachalarmiert, um im äußersten Fall die Einsatzkräften aus der Luft zu unterstützen. Die Feuerwehr Hameln stellte einen aufblasbaren Sprungretter zur Verfügung. Nach dem erleichterten Applaus der anwesenden Rettungskräfte für den unglaublichen Mut und die Tapferkeit wurde die Flugschülerin langsam zu Boden gelassen. Das junge Mädchen konnte nach drei Stunden mit Hilfe quer zwischen zwei Bäumen gespannter Leinen nahezu unverletzt aus ihrem Flugzeug befreit werden. Sie wurde zur Untersuchung in ein nahe gelegenes Krankenhaus gefahren. Das Segelflugzeug wurde nach der Rettungsaktion von den Feuerwehrleuten aus den Bäumen geborgen und zum Teil für den Abtransport demontiert. Insgesamt waren 60 Feuerwehrleute im Einsatz, unterstützt von der Drehleiter aus Gronau, die im schwierigen Gelände allerdings nicht mehr zum Einsatz kam. Der Aufstellungsort der Drehleiter war zuvor durch das Abkippen von 4 Lkw-Ladungen Splitt am steilen Ith-Hang vorbereitet worden.



Dewezet: 16.10.2008:
Komplizierte Rettung aus abgestürztem Flieger | 15-jährige Pilotin musste drei Stunden in Flugzeugkanzel ausharren / Am Ende Applaus der Helfer | Wieder am Boden: Feuerwehrleute haben das Segelflugzeug aus den Bäumen geholt.


Eine dramatische Rettungsaktion lief gestern während der Mittagsstunden im Ith oberhalb des alten Bisperoder Forsthauses ab. Eine 15-jährige Segelflugschülerin war mit ihrem Flugzeug in den Wald gestürzt. Sie hing kopfüber, von Gurten gehalten, in der Kanzel fest. Höhenretter der Feuerwehr Oldendorf gelang es erst nach drei Stunden, sie zu retten. Das Mädchen blieb unverletzt.
Tabea aus Coppenbrügge war in Bisperode zu einem Übungsflug gestartet. „Sie sollte im Aufwind am Ith fliegen. Dabei muss es zu einer Baumberührung mit einer Tragfläche gekommen sein“, erklärt der Ausbildungsleiter des Luftsportvereins Hameln, Heinz Löffler. Tabea gehört zu seinen Schülern. Steuern darf man ein Segelflugzeug ab einem Alter von 14 Jahren. Ein Fluglehrer entscheidet, ab wann Alleinflüge möglich sind. Tabea hatte hierfür grünes Licht bekommen.

Hubschraubereinsatz zu gefährlich

Tabea wird nach ihrer Bergung vom Notarzt untersucht.
Nachdem die Jugendliche die Kontrolle über das Flugzeug verloren hatte, stürzte es ab und blieb in 10 bis 15 Metern Höhe seitlich abgekippt in den Wipfeln von zwei Buchen hängen. Nach dem Notruf um 11.45 Uhr rückten die Feuerwehr Bisperode, die Höhenrettungsgruppe aus Oldendorf und die Ortswehr Salzhemmendorf aus. Die Unglücksstelle war über einen Waldweg gut zu erreichen. Das Flugzeug drohte jederzeit zu Boden zu stürzen, sodass die Insassin schnellstmöglich geborgen werden musste. Das jedoch erwies sich als sehr schwierig. Zunächst wurde die Drehleiter aus Gronau (Landkreis Hildesheim) angefordert. Ihr Einsatz war auf dem aufgeweichten Waldboden nicht möglich, deshalb mussten mehrere Wagenladungen Splitt herangefahren werden. Zugleich kam der Bundeswehr-Hubschrauber SAR 31 aus Diepholz nach Bisperode, um eine etwaige Rettung per Winde vorzunehmen. Dies wurde von der SAR-Crew aber verworfen, weil die starken Luftbewegungen des Rotors das Segelflugzeug zum Absturz hätten bringen können.
Also machten sich die Höhenretter Dirk Ossenkop und Heiko Wöhler unter der Leitung von Dirk Habenicht ans Werk. Über tragbare Leitern kletterten sie in zwei umstehende Baumwipfel und konnten Tabea, die tapfer in ihrer Lage ausharrte und gut mitarbeitete, von zwei Seiten Seile zureichen. Diese wurden in den umliegenden Bäumen möglichst hoch befestigt. Der Plan war: Die 15-Jährige sollte sich – gesichert durch die Seile – aus den Flugzeug-Gurten lösen und dann wie in einer Schaukel hängen. Vorsichtshalber wurde noch ein Sprungretter der Feuerwehr Hameln unter dem Baum in Stellung gebracht.
Mutig öffnete Tabea den Verschluss des Gurtes, kletterte aus der Kanzel und hing Sekunden später sicher in den Seilen. Die rund 60 eingesetzten Rettungskräfte applaudierten. Glücklich zu Boden abgeseilt, konnte die Gerettete auf eigenen Füßen zur bereitgestellten Trage gehen. Nach einer Untersuchung vor Ort durch den Notarzt wurde sie vorsichtshalber ins Krankenhaus eingeliefert.
Nun galt es noch, das Flugzeug zu bergen. Hierzu wurde der Baum angesägt und per Seilzug mitsamt dem Kunststoffflieger zu Boden gezogen. Ob das Schul- und Übungsflugzeug vom TYP ASK 23 im Wert von rund 30000 Euro einen Totalschaden erlitten hat, wird später durch einen Sachverständigen festgestellt. Mitglieder des Luftsportvereins legten es auseinander und transportierten es ab.



Dewezet (17.10.2008):
Nach ihrem Unfall: Tabea will wieder fliegen
„Erst gar keine Angst aufkommen lassen“ / Gestern großes Medieninteresse in BisperodeBild vergrößern


Trotz ihrer Todesangst nach dem Unfall, als sie im Baum hing, sagt Tabea: „Ich will so schnell wie möglich wieder fliegen.“ Foto: ist
Bisperode (hen). Gestern war Tabea schon wieder auf dem Flugplatz Bisperode. Am Tag nach ihrem Unfall mit dem Segelflugzeug hat die 15-Jährige zwar immer noch Schmerzen. Dennoch: „Ich will erst gar keine Angst aufkommen lassen und so schnell wie möglich wieder fliegen“, sagt die Coppenbrüggerin, die die Hamelner Sertürner-Realschule besucht. Dabei hatte sie „Todesangst“, als sie am Mittwoch über drei Stunden lang kopfüber in ihrem Flugzeug in einer Höhe von über zehn Metern festhing (wir berichteten).

„Jugendliche sehr verantwortungsbewusst“

Im Moment, als sie merkte, „dass ich abstürze, hatte ich Panik“. Zum Funkkontakt reichte die Zeit nicht mehr, so schnell ging alles. „Erst als ich im Baum hing, konnte ich funken. Die haben mir zugeredet, dass ich ruhig bleiben soll“, erinnert sich die Schülerin, die seit Mai alleine fliegen darf.
Voraussetzung dafür ist eine bestimmte Anzahl von Starts, die gemeinsam mit einem Fluglehrer absolviert werden. „Mit behördlicher Genehmigung dürfen auch schon 13-Jährige alleine fliegen“, erklärt Heinz Löffler vom Luftsportverein Hameln. Der Ausbildungsleiter sagt, dass die motorischen Fähigkeiten der Jugendlichen besonders hoch seien, außerdem „sind sie sehr verantwortungsbewusst“.
Acht Mitglieder im Alter von 14 und 15 Jahren sind zurzeit befähigt, alleine durch die Lüfte zu segeln. „Die Wahrscheinlichkeit, dass etwas passiert, ist sehr gering“, glaubt Löffler und verweist darauf, dass es in den vergangenen 50 Jahren vier oder fünf Unfälle gegeben habe – „die sind immer glimpflich verlaufen“. Was auch daran liege, dass die Flieger meist von Baumwipfeln abgefangen werden: „Das ist ja kein Absturz.“
Erneut in den Flieger zu steigen, dazu hatte Tabea gestern allerdings noch keine Zeit: Fernsehsender wollten Interviews. Derart im Mittelpunkt zu stehen, sei eigentlich nicht ihre Art, sagt die Schülerin. Sie will aber allen anderen Sportlern, die in eine ähnliche Situation geraten, Mut machen, eben nicht aufzugeben, sondern weiterzumachen. Auch sie will das, trotz Schürfwunden, die der Gurt verursacht hat, und Prellungen. „Ich hatte noch nie so dolle Schmerzen in meinem Leben“, sagt Tabea gestern.
Auch Mutter Veronika Schultner will Tabea das Fliegen nach dem Schrecken vom Mittwoch jetzt nicht verbieten: „Fliegen ist ihre Leidenschaft.“ Da der Vater Flugsportler war, sei die 15-Jährige schon früh mit dem Fliegen konfrontiert worden. Größte Sorge sei am Mittwoch gewesen, dass das Flugzeug vom Baum rutscht – Tabea sei aber sehr reif für ihr Alter und habe die Situation sehr gut gemeistert, sagt die Mutter, die das Segelfliegen grundsätzlich für einen sicheren Sport hält.

 
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