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Cold-Water-Challenge 2014
 
Datum: 05.06.2014
Ortswehr(en):FF Bäntorf FF Behrensen FF Bessingen FF Bisperode FF Coppenbrügge FF Diedersen FF Herkensen FF Hohnsen FF Marienau JF Behrensen JF Bessingen JF Bisperode JF Brünnighausen JF Coppenbrügge JF Dörpe/Marienau JF Diedersen
 
 

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Dewezet (13.06.2014):
Ein Virus grassiert
Warum Hilfsorganisationen lustige Filme drehen und ins Netz stellen

Den Sprung ins kalte Wasser wagen diese Tage immer mehr Mitglieder von Hilfsorganisationen und Vereinen. Landauf, landab müssen sie – getreu der Redewendung – eine ganz neue Aufgabe bewältigen. Mehrere Tausend meist ehrenamtliche Mitglieder nehmen seit Wochen an einer sogenannten „Cold Water Challenge“ (zu Deutsch: Kalt-wasser - Herausforderung) teil. Da „retten“ gestandene Männer und Frauen schon mal einen Plastikwal aus einem See, fluten ein Auto oder eine Werksattgrube, schaukeln in einer mit Wasser gefüllten Schuttmulde, fahren mit einem Schlauchboot durch eine Waschstraße oder laufen dem Rattenfänger hinterher und springen anschließend in die Weser. Spaß, Teamgeist und Kameradschaft stehen bei dieser Gaudi im Vordergrund. Wer innerhalb kürzester Zeit eine solche Challenge auf die Beine und einen Film davon ins Internet stellen kann, darf andere Hilfsorganisationen nominieren. Bestraft werden diejenigen, die nicht mitmachen: Sie müssen den anderen zum Grillen einladen. THW, DRK und DLRG – sie alle haben schon teilgenommen an diesem neuen Sommerspaß, der sich so rasend schnell ausbreitet wie ein ansteckender Virus. Ganz nebenbei sammeln die Helfer auf verschiedene Art und Weise Spenden für den verein „Paulinchen“, der brandverletzten Kindern hilft. Mehr als 10.000 Euro sind in diesem Jahr schon zusammengekommen. Der Sprecher der Kreisfeuerwehr, Jörg Grabant, bezeichnet die „Cold Water Challenge 2014“ als „virtuellen Kettenbrief“ und spricht von Mutproben. Entstanden seien viele phantasievolle Filme, die lustige Kurzgeschichten erzählten. Die Hamelner Wachbereitschaft führt vor Augen, was passiert, wenn der Rattenfänger die Hamelner Feuerwehrleute entführt. „Dann geht nämlich die Sicherheit der Bürger flöten“, sagt Hauptbrandmeister Michael Wömpener und lacht. Die Kooperative Regionalleitstelle beschreibt – das liegt auf der Hand – den Weg eines Notrufes. Bei den Disponenten von Polizei und Landkreis steckt er in der Flaschenpost, die von einem Taucher geborgen wird. „Klar, es gibt sicher Menschen, die sich fragen: “Warum machen die das?“ sagt Feuerwehrsprecher Jörg Grabant. Er glaubt, dass es „darauf keine logische oder nachvollziehbare Antwort“ gibt, vertritt aber die Meinung: „Solange niemand zu Schaden kommt und alle Akteure in ihrer Freizeit agieren, ist doch nichts dabei.“
für Grabant steht fest: „Dem Bild der Feuerwehr in der Öffentlichkeit ist das in jedem Fall förderlich: Es wird gezeigt, dass in der Feuerwehr neben den ernsten Aufgaben auch spaß und die Kameradschaft nicht zu kurz kommen“. Manche sehen das anders, verbieten sogar, Filme ins Netz zu stellen. Im nordrhein – westfälischen Dorsten griff der Chef der Feuerwehren zu einem drastischen Mittel – er ließ alle Videos aus dem Internet löschen. Sie würden „nicht der Einsatzbereitschaft der Feuerwehren in Dorsten entsprechen“, hieß es zur Begründung. Aber auch versicherungsrechtliche bedenken werden ins Feld geführt. Die Feuerwehrunfallkasse Nord und der Landesfeuerwehrverband Schleswig – Holstein betrachten die Entwicklung mit Sorge. „Wenn Spaßaktionen mit Sonderrechten ausrücken und sich mit strahlrohren gegenseitig bespritzten, werden unzulässige Gefährdungen für Feuerwehrangehörige und Außenstehende erzeugt“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. „Eine Cold – Water - Challenge - Aktion gehört gewiss nicht zu den Aufgaben der Feuerwehr.
Es handelt sich um eine reine Spaß – Veranstaltung, die am ehesten als Jux, Gaudi oder Klamauk anzusehen ist. Im Unfallversicherungsrecht ist dies dem privaten Bereich zuzuordnen und steht deshalb nicht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.“
Die Argumentation als Maßnahme der Öffentlichkeitsarbeit sei nicht stichhaltig, meinen Kritiker. „Durch die hohen Verletzungsgefahren sind solche Aktionen nicht geeignet.“
Kreisbrandmeister Frank Wöbbecke, oberster Chef der 3417 Aktiven im Kreis Hameln – Pyrmont, findet, das gegen eine Kaltwasser – Herausforderung prinzipiell nichts einzuwenden ist. Natürlich müssten Unfallverhütungsvorschriften beachtet und das benutzte Material schonend behandelt werden. Alkohol dürfe nicht getrunken werden. Vor dem Hintergrund, das die Zahl der ehrenamtlichen Feuerwehrleute zurückgeht, seien solche Veranstaltungen gut für die Mitgliederwerbung, meint Wöbbecke, denn: „ Die ins Netz gestellten Videos sprechen insbesondere die 18 – bis 25 – jährigen an. Sie zeigen, das man bei der Feuerwehr Spaß und Freude haben kann – und dass dort Kameradschaft gelebt wird“. Der sportliche Wettkampf, der Spaßfaktor und die kreative Herausforderung mache die „Cold – Water – Challenge“ zu einer Plattform für die Nachwuchsgewinnung, sagt Kay Leinemann, stellvertretender Leiter der Kooperativen Regionalleitstelle. Zudem habe man das gemeinsame Ziel vor Augen, brandverletzten Kindern zu helfen. Unter Alle aktuellen Videos Landkreis Hameln – Pyrmont
sind bislang mehr als 60 Filme aus Hameln – Pyrmont zu sehen. Für jedes „Gefällt mir“ bittet die Kreisfeuerwehr um einen Euro, der an „Paulinchen“ abgeführt wird.

 
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