19.11.2017 - 20:40 Uhr
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Von Welle der Hilfsbereitschaft überrollt
 
Datum: 08.07.2013
Einsatzort:Magdeburg - Rothensee
Ortswehr(en):1. Zug 4. Zug
 
 

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Dewezet (29.07.2013):
Flut der Solidarität: Bürger von Rothensee laden Coppenbrügger ein
„Wir werden noch lange mit den Folgen der Überschwemmungen zu tun haben“, sagt Dr. Wolfgang Ortlepp, Vorsitzender des eingetragenen Bürgervereins „IG Rothenseer Bürger“. Wochen nach dem Elbe-Hochwasser im Gespräch mit der Dewezet. „Und es wird noch lange dauern, ehe all unsere Keller getrocknet, Mauerwerke saniert sind, ehe eine der Hauptstraßenbahnlinien in Magdeburg wieder unseren Stadtteil Rothensee ansteuern wird, und ehe der Gestank der verwesenden Felder verschwindet.“ Und dennoch gehe schon jetzt die herzliche Einladung an alle Coppenbrügger und die Feuerwehrleute zu einem Besuch in Rothensee. Der nicht eben direkte Nachbar sei herzlich willkommen, „das können wir gern organisieren“, so Dr. Ortlepp. Was als ausdrücklicher Dank für die „überwältigende, überraschende und unerwartete“ Hilfs- und Spendenbereitschaft zu verstehen sei. Denn Coppenbrügger hatten während und nach der Katastrophe gleich doppelt geholfen: 40 Feuerwehrleute im 4. Zug der Kreisfeuerwehrbereitschaft Ost (KFB-Ost) des Landkreises Hameln-Pyrmont unter der Leitung von Cord Pieper, stellvertretender Zugführer und Coppenbrügges stellvertretender Gemeindebrandmeister, als das Wasser am zweiten Juniwochenende vor und im Ortsteil stand – und etliche Einwohner des Fleckens in den Wochen danach durch Spenden von insgesamt stattlichen 6400 Euro. „Wir hatten die Flut der Elbe, dann die Flut der Solidarität insbesondere aus Coppenbrügge“, sagt Dr. Ortlepp. Gut zu erleben, stellt er fest, welch solidarische Kraft im Menschen stecke, auch völlig Fremden gegenüber helfend zur Seite zu stehen, wenn dem Bürger in Deutschland Gefahren drohten. „Dafür kann man nur danken!“

Die Chronologie der Ereignisse – der Auftrag: Deichsicherung und -instandhaltung. Die KFB-Ost war an jenem Juniwochenende bei ihrem zweiten Einsatz südlich von Magdeburg. Ab Montagnacht galt es für die insgesamt 138 Einsatzkräfte (unter anderem aus Coppenbrügge, Bisperode, Behrensen, Diedersen, Hohnsen, Hajen, Welsede plus 30 Küchenkräfte des DRK Marienau), dazu 150 FFW-Leute aus Thüringen, 160 THW-Helfer aus NRW, insgesamt 600 Einsatzkräfte das dortige Müllheizkraftwerk und Umspannwerk Rothensee vor den Fluten, die sämtliche Voraussagen überspülten, zu sichern. Das bedeutete pausenlose Schufterei mit Wasserstand längst über Gummistiefelrand, um die Versorgung der Landeshauptstadt zu sichern, während andererseits unter der Alternative „Strom für 30 000 Magdeburger oder Rothensee retten“, die Siedlung vollläuft wie eine Badewanne, 3000 Einwohner beim Pegel bis zum Knie ihre Häuser verlassen.

Zwei Wochen später, berichtet Pieper, haben die meisten Häuser im Ort wieder elektrische Versorgung. Im Coppenbrügger Burghof gibt die Band Time Live ein Benefizkonzert: „Über 2000 Euro im Hut, zusätzlich über 4000 anschließend auf den Spendenkonten unserer lokalen Finanzinstitute“, sagt Bürgermeister Hans-Ulrich Peschka. Die Rothenseer Not habe sich von den Feuerwehrleuten bis zum letzten Coppenbrügger in Windeseile herumgesprochen. Man kenne im Flecken, wenn auch in anderen Dimensionen, Hochwasserverzweiflung. Da bedürfe es keines besonders nachdrücklichen Spendenaufrufes, dass Hilfe hier direkt vor Ort gut angelegt sei, stehe außer Zweifel.

Weitere zwei Wochen später wird der symbolische Scheck von Peschka, Gemeindebrandmeister Walter Schnüll und Cord Pieper in Rothensee übergeben – auf den Tag genau vier Wochen, nachdem man den Vorort zugunsten der Stadt Magdeburg hatte „absaufen lassen“ und genau auf dem Platz, der vier Wochen zuvor mehrere Tage lang über einen halben Meter tief unter Wasser stand. „Das war uns Symbolik genug“, erklärt Dr. Ortlepp.

„Rothensee sagt Danke“ war Motto der Veranstaltung, bei der mit mehreren hundert Bürgern und der Big-Band der Uni Magdeburg den Vertretern der „2. Flut“ der Solidarität und Hilfe auch und vor allem den Coppenbrüggern gedankt wurde. „Erst helfen sie uns so tatkräftig und dann spenden sie auch noch – unglaublich und fast unverständlich“, sagt Rolf Oesterhoff, kaufmännischer Geschäftsführer des Müllheizkraftwerkes zu Cord Pieper. Vom Sandsackstapeln bis zum Umfallen und zum Spenden – nicht gekleckst, sondern geklotzt, meint IG Fotograf Ulrich Schmidt. 6500 Euro sind für einen kleinen Flecken kein Klacks. Um eine gerechte Spendenverteilung zu gewährleisten, ist nach Auskunft von Dr. Ortlepp ein Vergabeteam mit vertrauenswürdigen Personen gebildet sowie in Anlehnung an und in Absprache mit der Landeshauptstadt ein Antragsverfahren entwickelt worden. Mit der Ausgabe der Spendenmittel soll zeitnah, unter kontrolliertem Ausschluss von Mehrfachauszahlungen durch Abgleich mit anderen Spendenorganisationen begonnen werden.

Mittlerweile, sechseinhalb Wochen nach der ersten Flut sagt Dr. Ortlepp heute auf Nachfrage in Magdeburg (Vorsitzender der IG Rothensee, die Coppenbrügge zur Veranstaltung „Rothensee sagt Danke“ eingeladen hatte): „Tja, wie sieht es hier heute aus? Kurz und bündig: oberirdisch tropisch, unterirdisch ,Feuchtgebiete’ im wahrsten Sinne des Wortes“.

Das Grundwasser gehe so gut wie kaum zurück, auf den Feldern stehe das Wasser trotz der Hitze teilweise immer noch. „Aus allen Kellerlöchern brummen und summen die Trockner und Gebläse“, Heizungsbauer sowie Energieversorger erleben einen einzigartigen Konjunkturschub.

 
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